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Abschluss der Wanderausstellung "Wege in die Zukunft - für dch und die Welt"

Liebe Leser:innen,

hier folgt nicht die übliche nüchterne Lektüre, die unserer Berichterstattung normalerweise zu Grunde liegt. Zum Abschluss dieser Ausstellung, deren Begleitung für uns nervenaufreibenden, interessant, manchmal zum Verzweifeln und dann auch wieder einfach schön war, gestatten wir uns etwas Gefühl. Aber lesen Sie selbst...

 

Es ist der 27.09.22 und ich stand in einem eher praktischen als schönem Raum im Kolosseum in Lübbenau. Hier sollte in wenigen Stunden der Abschluss der Wanderausstellung statt finden. Der Ausstellung, der ich bis hierher gefolgt bin. Von Beelitz-Heilstätten, über Erkner bis in den Spreewald nach Cottbus und Lübbenau. Hier und heute endeten die Monate der Spannung und des immer-wieder-um-Denkens für uns und wir haben den Abschluss der erfolgreichen Ausstellungstour gebührend gefeiert.

 

Doch zunächst musste der Raum hergerichtet werden, damit er, wenn schon nicht gemütlich wenigstens ansprechend wirkte. Wir dekorierten die Wände mit einer Galerie der vier Standorte. Zu jedem Standort gab es Bilder und Anekdoten oder auch Dinge, die wir uns für das nächste Mal merken werden, sollte die Ausstellung wieder her kommen. Mit Tüchern und Roll-ups verdeckten wir Schandflecken und die abgenutzten Tische. Wir gruppierten die Stühle und den Empfang und arrangierten das Kuchenbuffet. Nebenbei führten wir ein Dutzend Telefonate, denn auch wenn die Ausstellung endete, die Arbeit geht weiter.

 

Dann kamen die Gäste. Neben Herrn Pohlmann aus dem MLUK, war u.a. Vertreterinnen das JuFoNa zu Gast, sowie Menschen aus Lübbenau, die von der Veranstaltung aus der Zeitung erfahren hatten. Dem Kirschkuchen, den uns der Landwarenimbiss aus Groß Beuchow mit dem Elektroauto (!) geliefert hatte, wurde gut zu gesprochen und zunächst vertieften sich alle in die Ausstellung.

 

Anschließend schilderten wir von Brandenburg 21 in einem kurzen Rückblick die Erfolge und Herausforderungen der vier unterschiedlichen Standorte. Kurzfristige Standortverlegung in Lübbenau, Besuche von Schulklassen, Unterhaltungen mit Passant:innen, die Konkurrenz der LAGA, ein Seminar der BTU... Erlebt haben wir viel in dieser Zeit. Und hoffentlich Vieles gelernt. Danach hatte Herr Pohlmann das Wort und stellte in einem kurzen Vortrag die Nachhaltigkeitsplattform des Landes Brandenburg, sowie die konkrete Arbeit seines Ministeriums vor, was prompt in ein angeregtes Gespräch mündete. Allerdings musste das erst einmal auf später verschoben werden, denn die Klimamonologe verlangten nun, völlig zurecht, unsere volle Aufmerksamkeit!

 

Das dokumentarische Theaterstück verdichtet Interviews mit Betroffenen des Klimawandels zu einem Monolog, dessen Dramatik und Intensität sich niemand so leicht entziehen kann. Da sich das Stück noch in der Erarbeitung befindet, hörten wir nur einen der Monologe. Den Monolog einer Frau aus Bangladesch, in deren Leben verheerende Stürme immer öfter auftreten. Es lässt sich nicht mit Worten wieder geben wie ergreifend der Monolog war. Wie eindrücklich die Freude über das eigene Haus, das erste Kind. Ganz nah fühlte man sich dieser Frau, als wäre Sie eine gute Bekannte. Um so härter trafen ihre Schicksalsschläge auch uns. Mitten hier in Europa, weit weg vom Geschehen weinten wir um ihre Schwägerinnen, ihre Neffen, ertrunken als der Sturm die Dämme brechen ließ. Wir spürten die Trauer um den Verlust ihrer Mutter. Und die Angst: "Auf salzigem Boden kann man keinen Reis anbauen. Was werden wir essen?" Auch die Angst vor neuen Stürmen, die in den letzten Jahren immer häufiger und häufiger auftraten. Angst und Verzweiflung. Am Ende schwang die Frage durch den Raum: „Wie oft kann man alles neu aufbauen?“

 

Viele unser Gäste und auch wir weinten. Das 50 Menschen bei einem Unwetter sterben ist schlimm, aber es ist das einzelne Schicksal, das uns wirklich berührt.

 

Es war lange still, niemand schien zu wissen, was nun zu sagen ist. Wir sind es nicht gewohnt unsere Trauer öffentlich zu zeigen.Und auch die Ohnmacht angesichts der Naturgewalt und angesichts der manchmal langsamen Politik machte uns sprachlos. Das auszuhalten auf einer öffentlichen Veranstaltung ist nicht leicht. Die einzige Möglichkeit der Ohnmacht etwas entgegen zu setzen ist, selbst ins Handeln zu kommen, sich zu überlegen welchen Teil ich selber dazu beitragen kann, den Klimawandel aufzuhalten. Es geht hier nicht darum, die Verantwortung an das Individuum abzugeben, wie das große Unternehmen und auch gelegentlich Politiker:innen tun, sondern darum sich selbst zu ermächtigen und den umgebenden Kräften nicht mehr ausgeliefert zu sein.

 

Und das taten wir dann auch. Langsam. Zögernd nur waren wir bereit den Schmerz hinter uns zu lassen, als wäre es pietätlos jetzt in unseren Alltag zurück zu kehren. Wir sprachen miteinander, zunächst darüber was uns an dem Stück berührte und was uns durch den Kopf ging. Dann wurde es einfacher und wir überlegten wie es nun weiter gehen könnte. Zum Schluss schrieb jede:r zwei Dinge auf, die sie oder er dazu beitragen wird, aktiv gegen den Klimawandel vorzugehen. Die Trauer war immer noch da, aber nun waren wir durch sie zum Handeln gekommen. Sie hatte also einen Sinn und damit lies sie sich aushalten.

Damit wurde das Ende der Veranstaltung eingeläutet. Bei einer Schale heißen Currys von der Suppeninsel, war es Zeit für das aufgeschobene Gespräch. In der Tat wurden viele Gespräche geführt und Pläne für das kommende Jahr geschmiedet. Nach dieser emotionalen Achterbahn wollten wir direkt etwas anpacken. Bei einigen Dingen konnten gleich Nägel mit Köpfen gemacht werden, andere brauchen noch Planung, aber auch die ist schon angelaufen. Und wer weiß, vielleicht kommt die Ausstellung schon früher wieder nach Brandenburg als wir bislang dachten….

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Veröffentlichung

Mi, 28. September 2022

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