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Rückblick zur Exkursion "Nachhaltiges Bauen und Wohnen im Barnim und Berlin"

Rückblick zur Exkursion
Bild zur Meldung: Rückblick zur Exkursion "Nachhaltiges Bauen und Wohnen im Barnim und Berlin"

Exkursion Brandenburg 21 e.V. und Berlin 21 e.V. 26.09.23

“Nachhaltiges Bauen und Wohnen im Barnim und in Berlin

Vier Orte - Zwei Bundesländer - praxisnah erleben”

 

Wie kann nachhaltiges Bauen die Wohn- und Lebensqualität verbessern? Wie wohnt es sich in Gemeinschaft? Wie ist der Alltag in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt?

 

Zu diesen und anderen Themen luden die beiden Vereine Brandenburg 21 und Berlin 21 zu einer länderübergreifenden Erkundung ein und griffen dabei das diesjährige Schwerpunktthema des Rats für Nachhaltige Entwicklung „Nachhaltiges Bauen und Wohnen"  praxisnah auf.

Bei schönstem Herbstwetter mit viel Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen führte am 26.09. die Exkursion durch den „Regionalpark Barnimer Feldflur“. Der Regionalpark war als Kulisse der Exkursion gewählt, weil er den Nordwesten Berlins mit dem angrenzenden Barnim verbindet und nachhaltige Regionalentwicklung zu seinen Leitthemen gehört.

 

Insgesamt 23 Vertreter:innen aus Kommunen, Politik, Stadt- und Regionalplanung, Bau- und Wohnungsunternehmen, Mieterbünden, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Initiativen und weiteren Interessierten waren an Bord des Reisebusses.

 

Im Rahmen der Exkursion lernten die Teilnehmenden Orte und Projekte des Nachhaltigen Bauens und Wohnens im Regionalpark kennen und bekamen dort verschiedene spannende Führungen und Vorträge.

 

Wir starteten im Nachbarschaftshaus der Zukunftswerkstatt Pankow-Heinersdorf und bekamen dort von Daniel Becker und Heinrich Buchhorst einen umfassenden und erkenntnisreichen Einblick in die besonderen Strukturen und zivilgesellschaftlichen Aktivitäten im Ortsteil Pankow-Heinersdorf. In Heinersdorf ist die bewegte Historie des Viertels vielerorts noch sichtbar und spürbar. Sie wirkt sich noch immer auf die Bebauung und Entwicklung des Viertels aus. Das zu verstehen und so darüber zu kommunizieren, dass viele Perspektiven einbezogen werden und ein partizipativer Dialog entstehen kann, ist eine der Kernaufgaben der Zukunftswerkstatt Heinersdorf e.V. Diese hat sich als Bürgerbewegung mit dem Ziel gegründet, Heinersdorf lebenswert und attraktiv zu machen. Der Anlass für diese Initiative war ein spürbarer Widerstand der Bevölkerung von Heinersdorf anlässlich einer erteilten Genehmigung für den Bau einer Moschee im Jahr 2006. Aus dem daraus entstehenden Konflikt, in welchem auch rechtsextreme Stimmen laut wurden, haben sich 30 engagierte Bürger:innen zusammengetan, um alle Menschen vor Ort einzubeziehen und sich für die Beteiligung aller an stadtplanerischen Entscheidungen und infrastrukturellen Veränderungen einzusetzen. Heute hat der Verein über 130 Mitglieder und verfügt über ein Nachbarschaftszentrum mit Raum für verschiedene generationenübergreifende Angebote vor Ort. Darüber hinaus besteht ein von Beharrlichkeit und Geduld geprägter guter Austausch mit Entscheidungsträgern, welcher bereits zu einigen guten Beispielen in der Stadtentwicklung geführt hat.

 

Die nächste Station war das Barnim Panorama in Wandlitz , wo uns Julika Ziegenhagen einen Einblick in die Entstehung des Gebäudeensembles, dessen Funktion und die aktuelle Sonderausstellung gab. Das bereits bestehende ehemalige Schulgebäude wurde durch einen neuen Gebäudekomplex erweitert. Der neue Museumskomplex ist der ortsüblichen Dorfbebauung Stall, hölzerne Scheune und steinernes Haupthaus nachempfunden und stellt einen historischen Dreiseithof dar.. Beim Bau wurden nach Möglichkeit dabei regionale Baustoffe und lokale Handwerksbetriebe einbezogen. Das Brandenburgische Bauministerium zeichnete das Architektenteam um Stefan Woehrlin am mit dem Baukulturpreis aus. Die Begründung bezieht sich auf die vorwiegende Verwendung ökologischer Baustoffe und auf die Auslegung als Niedrigenergiehaus mit sogar Nullemission. Zehn Jahre nach Fertigstellung fließen immer wieder neue Erkenntnisse ein, so mussten die großen Panoramascheiben angepasst werden, um den Vogelschutz zu gewährleisten. Und an dem schindelgedeckten Dach können erforderliche Reparaturen von keinem ortsansässigen Unternehmen durchgeführt werden, weshalb man auf diesen Baustoff in dieser Region in Zukunft verzichten wird.

Das Barnim Panorama vereint das Agrarmuseum Wandlitz in Trägerschaft der Kommune und das Naturparkzentrum Barnim in Trägerschaft des Fördervereins Naturpark Barnim. Die Ausstellung beschäftigt sich in zwei Gebäuden über mehrere Ebenen mit den Auswirkungen von Siedlungsgeschichte und Landwirtschaft auf das heutige Erscheinungsbild der Landschaft. Diese Verbindung von Kultur- und Naturlandschaft und Siedlungsgeschichte in einer Sammlung zu vereinen ist eine Besonderheit hier und wurde von Julika Ziegenhagen in einer informativen und kurzweiligen Führung anschaulich gemacht. Als studierte Agrarwissenschaftlerin konnte sie gute Einblicke geben in die ökologische Bewirtschaftung des Gartens, welche in Zukunft den Permakulturansatz verfolgen möchte.

Die Sonderausstellung “Land.Schafft.Wohn.Raum. - Vom Landhaus zur Energiespar-Villa” griff das Exkursionsthema in besonderer Weise auf und sorgte für vielfältige Gesprächsanlässe: Wie können aktuelle Anforderungen an nachhaltiges  Bauen im Zeichen von Ressourcenknappheit und Klimawandel bewältigt werden?

 

Beim nächsten Exkursionsort, dem Projekthof “Wukania” in Biesenthal, stellte die dort ansässige “Wukantina” uns das Mittagessen bereit. Frisch gestärkt konnten wir die verschiedenen Eindrücke des Geländes und des gesamten Projektes aufnehmen. Dabei haben uns Anna und Felipe, zwei Bewohner:innen der Wukania, begleitet und versucht, alle unsere Fragen zu beantworten. Schnell wurde klar, dass die Zeit nicht ausreichte und man eigentlich mehrere Stunden oder gar Tage bräuchte, um das Projekt in seiner Gesamtheit zu erfassen. Besonders schön war es daher, dass vor Ort bereits Kontakte geknüpft und Verabredungen zu gemeinsamen Arbeitseinsätzen gemacht wurden. Beim Projektehof ging es als Teil der Exkursion nicht nur um das nachhaltige Bauen, sondern um gemeinsames Zusammenleben, nachhaltiges Wirtschaften und die örtliche Einbindung solcher Projekte. Der Projekthof ist Teil der Projektewerkstatt auf Gegenseitigkeit und bestrebt allen ein gutes Lebensumfeld zu schaffen. Spannend war der Blick auf das erste Wohnhaus, dass durch Unterstützung mehrerer befreundeter Kooperativen inzwischen energetisch saniert wurde.

 

Die letzte Etappe unserer Reise führte uns wieder nach Berlin-Pankow. So richtig nach Berlin fühlte sich unsere letzte Station aber nicht an, denn das StadtGut Blankenfelde befindet sich im letzten noch fast in seiner ursprünglichen Struktur erhaltenen Dorfes Berlins. Nachdem wir auf dem StadtGut vom Team des Cafes Traktorista mit einer liebevoll gestalteten Kaffeetafel empfangen wurden, gab Patrick Neubauer uns einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des StadtGut e.V. 2002 beschloss der Verein Natur&Kultur Lübars das StadtGut, dessen Geschichte bis ins 16. Jh. zurückreicht, vor dem Verfall zu retten. Nach mehrjährigen Verhandlungsprozessen konnte der inzwischen gegründete Verein StadtGut das Areal 2006 von der Stadt Berlin für 1€ erwerben, jedoch mit der Auflage, die Kosten für die Altlastensanierung der denkmalgeschützten Gebäude zu tragen. Angefangen haben die gemeinsamen Prozesse und der Grundstein des Zusammenlebens mit dem Samstagswerk, einem regelmäßigen gemeinsamen Arbeitseinsatz. Mittlerweile sind solch größere Baumaßnahmen nicht mehr notwendig, sodass die Einbindung in das Dorf verstärkt fokussiert werden kann. Seit 2009 ist das StadtGut  Teil der Selbstbau e.G. und gehört zur Stiftung Trias. 2011 konnten die ersten Bewohner:innen einziehen. Ein Teil des Selbstverständnisses des Vereins ist das Zusammenleben verschiedener Generationen.

 

Ihren gelungenen Abschluss fand die Exkursion im Kursaal des Satdtguts. Es gab viele positive Rückmeldungen für die Exkursionen, bis hin zu der Rückmeldung: "Tolle Exkursion  - ich komme jederzeit wieder mit!"

Fotoserien

Fotodokumentation Exkursion "Nachhaltiges Bauen und Wohnen im Barnim und Berlin" (DI, 26. September 2023)

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