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Online-Forum des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) .

29. 09. 2020

Um die Ziele der Agenda 2030 zu erreichen, sind mehr nationale wie internationale Anstrengungen gefordert. Insbesondere im Fokus der Corona-Pandemie, wie das dritte Online-Forum des RNE gezeigt hat.

Noch rund 10 Jahre hat die Weltgemeinschaft Zeit, die Sustainable Development Goals (kurz SDGs, also die globalen Nachhaltigkeitsziele) umzusetzen. Fortschritte gibt es auf etlichen Ebenen, doch die Corona-Pandemie bremst viele Ansätze aus. Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutierten bei einem Online-Forum des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) über „Mehr internationale Verantwortung, Kooperation und Solidarität für nachhaltige Entwicklung“. Es ging um den Stand der globalen Nachhaltigkeitsdiskussion, um die Rolle Deutschlands in diesem Prozess und um Finanzierungsmechanismen. Knapp 100 Teilnehmende waren bei der digitalen Diskussionsrunde dabei.

Als sich im September 2019 die Staatengemeinschaft beim SDG-Gipfel in New York trifft, wird klar: das transformative Potential der Agenda 2030 soll und muss beschleunigt werden, da etliche der 17 Ziele drohen, nicht erreicht zu werden. Die Staatenvertreterinnen und -vertreter einigten sich auf eine sogenannte „Decade of Action and Delivery“. Wie groß der Bedarf an mehr Anstrengungen ist, zeigte der ebenfalls 2019 erschienene Weltnachhaltigkeitsbericht. Darin skizzieren 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Defizite zum Beispiel beim Thema Biodiversität und Klimaschutz. „Wir betreiben Raubbau an der Artenvielfalt“, sagt Wolfgang Lutz, Forschungsdirektor Demographieforschung am IIASA und Co-Herausgeber des globalen Weltnachhaltigkeitsberichts. „Das hat verheerende Folgen.“

Aber auch beim Thema Bildung und Gesundheitsversorgung hinkt die Staatengemeinschaft hinterher. Dabei wirken sich positive Entwicklungen in diesen Bereichen immens auf das Erreichen anderer VN-Nachhaltigkeitsziele aus.

Ein Beispiel, um - nicht nachhaltige - Produktionsmechanismen zu durchbrechen, wäre das Lieferkettengesetz. Es soll Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen, damit sich Arbeitsbedingungen in Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern deutlich verbessern. Auch der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat sich für ein solches Gesetz ausgesprochen. Derzeit streitet die Regierungskoalition um die genaue Ausrichtung eines Gesetzesentwurfs.

In vielen ärmeren Staaten sind es vor allem Frauen, die in Fabriken arbeiten und unter unsozialen und umweltschädlichen Arbeitsbedingungen leiden. Für Lisi Maier, Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings und ebenfalls Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung, spielt Geschlechtergerechtigkeit in den Lieferketten eine große Rolle. „Es fehlt noch immer an einer geschlechtergerechten Analyse der globalen Krisen“, sagt Maier.

Was für die internationale Ebene gilt, muss auch national wirken. Vor fünf Jahren sind die VN-Nachhaltigkeitsziele verabschiedet worden. Man habe sich auf Ziele geeinigt, aber nicht darauf, wie sie erreicht werden können, sagt Marianne Beisheim, Senior Wissenschaftlerin in der Forschungsgruppe Globale Fragen bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP). Auch Deutschland müsse jetzt liefern.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat bereits im Mai 2020 in einer Stellungnahme angemahnt, dass Deutschland die SDGs nicht erreichen wird. „Vor allem an der Schnittstelle zwischen Umwelt- und Agrarpolitik oder zwischen Klima- und Energiepolitik“, sagt Imme Scholz, stellvertretende Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) und stellvertretende Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Insgesamt stehe Nachhaltigkeitspolitik nicht deutlich genug im Kern politischen Handelns, sowohl in Deutschland als auch international.

Die Umsetzung der VN-Nachhaltigkeitsagenda und die Bewältigung der Corona-Krise stellen die Staatengemeinschaft vor enorme Herausforderungen, vor allem finanziell.

„Die Nachhaltigkeitsziele und die Entwicklungsfinanzierung gehören zusammen. Man muss die Prozesse zusammenbringen“, betonte Heidemarie Wieczorek-Zeul, ehemalige Bundesentwicklungsministerin und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung. Die Bundesregierung sollte sich in diesem Zusammenhang für einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder einsetzen. Sie plädiert für mehr Ehrlichkeit bei den Anforderungen zur Umsetzung einzelner Ziele in den Entwicklungsländern.

Stehen wir also vor einem Rückschlag für eine nachhaltige Entwicklung, vor allem mit Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie? Ob wir die Krise als Chance begreifen, und aus der virtuellen Vernetzung und Kreativität auch langfristige Solidarität innerhalb und zwischen Staaten erwächst, muss die Zeit noch zeigen.

Quelle: Globale Nachhaltigkeitsziele: Tempo, Tempo, Tempo. Rat für Nachhaltige Entwicklung, 16.09.2020

 
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